Das bin ich, im Herbst meines Lebens, stolze 65 Jahre jung geblieben!





Über 60 und Computerfan!

Ich habe lange Jahre in einem Lohnbüro gearbeitet und in den 80-er Jahren hielt auch in unserem Büro der Personalcomputer Einzug. Nun ja, da war alles vorgegeben, alles programmiert, es lief fast alles schematisch ab, ohne großes Verständnis der Zusammenhänge im PC. Wenn etwas nicht so klappte, der PC streikte, kamen die Programmierer, die mit ein paar Handgriffen und schnellen Fingern auf der Tastatur alles wieder in Ordnung brachten. Mich hat das schon immer geärgert, dass ich das nicht auch konnte. Aber um noch einmal etwas Neues zu lernen, war ich auch schon zu alt.

Dann kam die Wende, die Privatisierung auch des Unternehmens, in dem ich gearbeitet habe und die Arbeitslosigkeit. Was tun? So eine alte Buchhalterin stellte Niemand mehr ein, für das Arbeitsamt war ich überqualifiziert. Meinem inzwischen verstorbenen Mann hatte man eine Umschulung als Steuerfachgehilfe angeboten, von der ich nun profitierte. Ich war etwas flexibler als er und half ihm bei seiner Buchführung. Ich bildete mich kontinuierlich weiter und bediente auch unseren PC.

Als mein Mann im Jahr 2000 starb, stand ich mit meiner jüngsten Tochter, die damals kurz vor dem Abitur stand, allein da, die anderen 3 Kinder hatten schon das Haus verlassen. Sie drängelte dann, einen Internetzugang anzuschaffen. Ich tat mich etwas schwer damit, weil ich die Notwendigkeit erst nicht so richtig einsah. Wir fingen mit einem 56k Modem an, später dann war ich die Erste in unserem Ort bei Leipzig, die über Kabel ins Internet ging. Von dem Zeitpunkt an konnte man wirklich von Fluch und Segen des Internets sprechen. Der Fluch war und ist, dass der PC auch schnell wie eine Droge wirken kann, man wird abhängig, aber das Problem habe ich im Griff! Der Segen war, dass ich durch meine Tochter zunächst an das Chatten herangeführt wurde, nachdem ich mich immer amüsiert hatte über solche sprachlichen Missgeburten wie „hi“, „knuddel“, „lol“, usw. Das sind Bestandteile der Chatsprache, an die ich mich nur schwer gewöhnen konnte. Im Chatraum sah man mich zuerst ein wenig als Außerirdische an, weil ich in meinem Sprachdeutsch schrieb, also auch in ganzen Sätzen. Mit meinem Nicknamen (Spitzname oder Pseudonym) „Cospuden“ sorgte ich immer wieder für Verwirrung, weil Niemand auf Anhieb wusste, ob ich „w“ oder „m“ bin, was beim Chatten besonders interessant ist. Ich lernte viele Menschen kennen und es entstand in mir der Eindruck, als wenn sie sich in den Chat flüchten, ja, mitunter sogar leben. Deshalb kam ich auf die Idee, Chattertreffen zu organisieren, die auch sehr gut angenommen wurden. Ich will nicht verschweigen, dass es nach solchen Treffen immer unliebsame Auswirkungen gab, man mokierte sich offen im Chat über körperliche Unzulänglichkeiten anderer Chatter, über die Kleidung usw., was ständig Streit zur Folge hatte. Nach 5 solcher Treffen und meinem Wegzug aus Markkleeberg bei Leipzig haben andere Chatter die Organisation weiter geführt und für mich wurde es auch ruhiger, weil ich mich nun doch wieder intensiver meinem eigenen Lernprozess widmen konnte.

Es reichte mir schon lange nicht mehr, einfach nur den PC zu bedienen, ich wollte auch lernen, wie die eine oder andere Software funktioniert, wie Hardwarekomponenten reagieren, weil, ich war ja eigentlich auf mich gestellt und hatte Niemanden an meiner Seite, der „Ahnung“ hatte. Mit der Zeit und auch mit Hilfe von Freunden konnte ich mein Wissen erweitern und es sogar an Andere weiter geben. Das zeigte mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich bin geistig fit und bleibe auch nicht stehen. Wenn ich bedenke, dass ich im Dezember 2000 erstmals mit dem Internet zu tun hatte und ich jetzt schon in der Lage bin, selbständig Webseiten zu erstellen, dann denke ich, habe ich gute Fortschritte gemacht.

Ich möchte an dieser Stelle meinen Kindern danken, die mich immer jung gehalten haben und meinem Kumpel „krad-alfred“, der mir sehr viel beigebracht hat bezüglich der Webseitengestaltung und auch sonst immer gute Tipps parat hat. So haben sich echte Freundschaften bis heute erhalten, die ich nur dem Internet zu verdanken habe.

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